Das Anfertigen von konventionellen Röntgenaufnahmen stellt mit einem Anteil von etwa 70 % die Hauptuntersuchungsmethode in der Röntgendiagnostik dar und ist damit eine der grundlegenden Methoden der medizinischen Diagnostik. Deshalb ist sie auch Bestandteil der Aus- und Weiterbildung der meisten Facharztdisziplinen. Ausbildungseinrichtungen legen aus diesem Grund Lehrfilmsammlungen an, die allerdings mit einem hohen zeitlichen und personellen Aufwand gepflegt und kontinuierlich ergänzt werden müssen. Hinzu kommt, daß die Aufnahmen spezifischer Krankheitsbilder nicht in jeder Röntgenabteilung zur Verfügung stehen. Das kostbare Filmmaterial zeigt durch häufigen Gebrauch erhebliche Abnutzungserscheinungen. Zudem benötigt eine Röntgenfilmsammlung viel Platz und ist "schwergewichtig".
Die Abteilung für Bildgebende
Diagnostik am Zentrum für Innere Medizin der Universität Leipzig
ist mit Lehraufgaben in der konventionellen Röntgendiagnostik auf
dem Gebiet der Inneren Medizin bereits seit vielen Jahren vertraut. Unter
Leitung von Frau Prof. Dr. med. Ingrid Raue entstand über mehrere
Jahrzehnte, in Fortsetzung des Werkes von Frau Doz. Dr. med. Ursula Butter,
eine
umfangreiche Lehrfilmsammlung.
Sie umfaßt etwa 10.000 typische Röntgenaufnahmen (und in den
letzten Jahren auch Ultraschallbilder) aus den Fachgebieten Pulmologie,
Kardiologie (inklusive prä- und postoperative Diagnostik), Intensivmedizin,
Gastroenterologie, Neurologie, Endokrinologie und Stoffwechselkrankheiten,
Hämostaseologie und Hämatologie (inklusive Diagnostik bei Knochenmarks-transplantationen).
Bedingt durch die vielfältigen Lehraufgaben zeigten sich immer wieder
organisatorische und technische Probleme bei der ständigen Vervollkommnung
und Nutzung dieser Filmsammlung für Vorlesungszwecke, für die
Seminargestaltung und für das Selbststudium .
Um das Lehr- und Lernmaterial
zu schonen und trotzdem einem breiten Nutzerkreis zur Verfügung stellen
zu können, bot sich für uns die Digitalisierung und Speicherung
dieser Aufnahmen an. Grundlage für die Nutzung der digitalen Bilder
sollte die weitverbreitete Standard-PC-Technik sein. Notwendig schien zudem
ein modernes und leichtverständliches Softwarekonzept, um den Auszubildenden
die Möglichkeit zu geben, das Programm autodidaktisch zu erlernen
und interaktiv damit zu arbeiten. Diese Überlegungen führten
zu einer Kooperation mit der mittelständigen Firma VSoft Dr. K. Voigt
(Bad Dürrenberg) und schließlich zur Entwicklung und Herstellung
verschieden gestalteter CD-ROM`s für Lehr- und Lernzwecke in der klinisch
orientierten Röntgendiagnostik (Reihe "Medi-CD").
Röntgenlehrfilmsammlung auf CD-ROM
Bei der Medi-CD " Röntgenlehrfilmsammlung" handelt es sich um ein derzeitig kurz vor dem Abschluß befindliches CD-ROM-Projekt . Es entstehen 3 CD´s mit insgesamt 6000 typischen Röntgenaufnahmen bei inneren Krankheiten. Sie wurden aus der oben beschriebenen konventionellen Lehrfilmsammlung ausgewählt, digitalisiert und gemeinsam mit einer modernen Wiedergabesoftware für den PC auf den CD-ROM´s gespeichert. Die Abbildungsgüte der Röntgendetails auf dem PC-Monitor entspricht weitgehend der im originalen Röntgenbild. Lediglich bei Gerüsterkrankungen der Lunge ist die Erkennbarkeit in der Lungenperipherie geringfügig eingeschränkt. Jede Aufnahme besitzt als Kenndaten die Röntgendiagnose und einen Diagnoseschlüssel. Das Ordnungsprinzip wurde in Leipzig erarbeitet und besteht in einer Gliederung nach Organsystemen (mit Kennbuchstabe) und deren Krankheitsgruppen (in Dezimalklassifikation). Damit ergibt sich eine einfache Suchliste und Sortiermöglichkeit nach Röntgendiagnosen.
Im
Gegensatz zur konventionellen Lehrfilmsammlung ist das Bildmaterial nun
unbegrenzt haltbar und benötigt kaum Platz. Gedacht sind die Medi-CD´s
der Röntgenlehrfilmsammlung vorwiegend für die unterstützende
Ausbildung im Medizinstudium, für die Ausgestaltung von Vorlesungen
und Seminaren sowie für die Weiterbildung in der Inneren Medizin und
Klinischen Röntgendiagnostik . Auch für das Selbststudium von
Studenten und Facharztkandidaten ist dieses Medium hervorragend geeignet.
Empfohlen werden können die CD´s speziell für die Nutzung
in Universitätskliniken und Bibliotheken der Lehrkrankenhäuser.
Durch die Nutzungsmöglichkeit des PC in Verbindung mit einem VGA-Datenprojektor
ist für die Lehre und für Weiterbildungsveranstaltungen im Hörsaal
oder Seminarraum eine breite Nutzbarkeit gewährleistet. Bei vorhandenem
Kommunikationsnetzwerk im Klinikum könnte zukünftig für
Vergleichszwecke der Abruf der Bilder vom Computer am klinischen Arbeitsplatz
der Station oder der Ambulanz aus erfolgen.
Röntgenquiz Innere Medizin auf CD-ROM
Traditionell wurde seit Jahren am Ende des Ausbildungsabschnittes "Bildgebende Basisdiagnostik in der Inneren Medizin" mit den Facharztkandidaten ein freiwilliges Röntgenquiz veranstaltet. Für uns stellte sich die Frage, wie sich diese beliebte Lehrform mit modernen Medien zeitgemäß umsetzen läßt.
Für die Medi-CD "Röntgenquiz
Innere Medizin" wurden deshalb aus der konventionellen Lehrfilmsammlung
typische Röntgenfilme entnommen (überwiegend typische Befunde
aus der Thorax-, Skelett- und Magen-Darm-Diagnostik), digitalisiert und
mit einer interaktiven Wiedergabesoftware für den PC auf CD-ROM gespeichert.
Das Programm ist einerseits als Quiz gestaltet, um dem Lernenden die Möglichkeit
zu geben, seine Kenntnisse selbst zu kontrollieren. Dabei werden die Bilder
zufällig vom Programm ausgewählt und auf dem Bildschirm hochauflösend
angezeigt . In einem Textfenster können dann bei Bedarf und schrittweise
(per Mausklick) die dem jeweiligen Röntgenbild zugeordneten klinischenAngaben,
die charakteristischen röntgenologischen Merkmale und die spezifische
Röntgendiagnose abgefragt werden. Der Schwerpunkt des Quiz liegt somit
auf einer "Klinischen Röntgendiagnostik".
Der
Inhalt der Medi-CD ist aber auch als kleine radiologische Fallsammlung
nutzbar. Im Auswahlfenster werden in diesem Fall die gewünschte Diagnose
angewählt und das zugehörige Röntgenbild angezeigt. Dies
ist wichtig für Bildvergleiche bei einer aktuell scheinbar unklaren
Diagnose. Durch den Einsatz der bekannten Windows-Funktionalität ist
die Bedienung des Programms standardgemäß und sehr einfach erlernbar
. So ist auch dem Arzt ohne tiefergehende Computerkenntnisse der Umgang
mit der neuen Technologie schnell möglich.
Innovative Software für hohe Bildqualität
Die Digitalisierung der Röntgenfilme erfolgte mit einer Auflösung von 2000×2000 Bildpunkten und 12 Bit Grauwerttiefe. Die speziell für den PC entwickelte Software ermöglicht eine schnelle und hochauflösende Darstellung der Bilder auf dem Monitor. Bei der Installation verbleiben die umfangreichen Bilddateien auf der CD-ROM . Dennoch erfordert das Öffnen der Bilder nur etwa eine Sekunde, bei Vergrößerung bis zu 2,5 Sekunden .
Multimediale Lernprogramme sind für die autodidaktische Aus- und Weiterbildung in der Medizin dann besonders geeignet, wenn für die Nutzung die weitverbreitete Standard-PC-Technik bei hohem Qualitätsniveau eingesetzt werden kann. Deshalb wurden die Lehr- und Lernprogramme der Reihe Medi-CD in einer solchen Art konzipiert, daß sie auf jedem modernen PC bei Vorhandensein eines CD-ROM-Laufwerkes und MS-Windows 3.1 / 95 eingesetzt werden können. Im Unterschied zum klassischen Lehrbuch und der Betrachtung eines Originalfilmes am Röntgenleuchtschirm besteht mit der Software die Möglichkeit, charakteristische Röntgenmerkmale in Leuchtdichte- und Kontrastumfang zu verändern und somit optimiert darzustellen . Hierfür sind Bildbearbeitungsfunktionen wie Helligkeits- und Kontrastregelung, Weich- und Scharfzeichnungsfilter sowie eine Ausschnittsvergrößerung (Zoom) in die Software integriert, wobei deren Bedienung sehr intuitiv gestaltet wurde. Dies macht ein interessantes "Spiel mit dem Röntgenbild" möglich, das entsprechenden Veranlagungen entgegenkommt, motiviert und Freude bereitet. Außerdem besteht die Möglichkeit, die Bilder sehr einfach in andere Graphikprogramme zu kopieren, Text hinzuzufügen und somit für die Erstellung und Gestaltung eigener Dias und Overhead-Folien zu nutzen .
Die entwickelten Medi-CD´s "Röntgenlehrfilmsammlung" und "Röntgenquiz Innere Medizin" sind unserer Meinung nach richtungsweisend für die Integration der Röntgen- und Ultraschalldiagnostik in die Entwicklung hochqualitativer Softwareapplikationen für Lehr- und Lernprogramme auf PC-Basis in der Medizin. Das Augenmerk der Entwickler darf dabei aber nicht nur auf einer leistungsfähigen und leicht bedienbaren Software liegen, sondern muß sich in der inhaltlichen und didaktischen Qualität überzeugend wiederspiegeln. Das war und ist mühsam - das haben wir in den letzten Jahren an vielen Abenden und Wochenenden kennengelernt. Umsomehr freuen wir uns über erste Erfolge: Zum 75. Deutschen Röntgenkongress in Wiesbaden wurde das Erstlingswerk (die Medi-CD "X-Quiz") mit dem Multimediapreis ausgezeichnet. Im Rahmen des Praktikums "Medizinische Lernprogramme" lernen die Medizinstudenten der Universität Leipzig das Röntgenquiz kennen und spielen mit viel Interesse und Motivation. Und schließlich ergeben sich jetzt durch die Zusammenarbeit mit Medizinischen Fachverlagen neue Möglichkeiten der fachlichen Publikation dieses modernen Lehr- und Lernmaterials im In- und Ausland.